Ein altes Heft mit der Aufschrift "Katharina Winogradow"...

    Ab 08.07.2017 Wird unser neues Ts eingeweiht, erreichen könnt ihr es unter dayz-rpg.ts.dawn-server.de oder 46.20.46.232:10110.
    • Diebe, Wölfe und ein Abschied


      Das war ja mal wieder ein Tag! Wir wurden bestohlen, von Wölfen angegriffen, machten eine lange Wanderung, trafen auf viele Leute und hörten von merkwürdigen Vorkommnissen... Als erstes hatten wir heute morgen festgestellt, dass schon wieder unser Fahrzeug gestohlen worden war. Mischa sagte, er sei vor Sonnenaufgang kurz draußen gewesen und habe entdeckt, dass der LKW, welchen wir erst gestern von Mike geschenkt bekommen hatten, weg war und stattdessen ein anderer LKW da stand. Sowas wundert uns seit Grishino nicht mehr, jedoch war dieser neue LKW dann später auch weg... Seltsam nur, dass keiner von uns wach wird, wenn hier nachts solche Autoschiebereien stattfinden... Unsere Reisepläne änderten sich heute also in einen Fußmarsch um, welchen wir nach dem Frühstück zusammen mit Aranya und Gregorij antraten. Wir entschlossen uns dazu, den schnellsten Weg zu wählen, eine Entscheidung, welche fast ein schlimmes Ende genommen hätte...
      Denn auf dem Weg durch den Wald wurden wir plötzlich von einem Rudel Wölfe angegriffen! Einer verbiss sich in Aranyas, ein anderer in Mischas Hosenbein und ich vergesse bestimmt nicht dieses Gefühl von Panik, welches mich überkam und mein Herz schlug mir bis zum Hals und beruhigte sich erst, nachdem zwei der Wölfe tot am Boden lagen und die anderen sich jaulend ins Unterholz zurück zogen... Ich bin so froh, dass Mischa nichts schlimmeres passiert ist! Er trug ein paar Kratzer davon und hatte sehr viel Glück, das hätte nämlich auch so richtig schief gehen können..



      Unser Marsch verlief dann recht still, alle spähten aufmerksam zwischen die Bäume und wir nahmen unsere Gespräche erst wieder richtig auf, nachdem der Wald hinter uns lag. Ich sprach ein wenig mit Gregorij, erfuhr etwas über die Vergangenheit dieses schweigsamen Mannes und auch wenn er bei unserem Kennenlernen ein bisschen unverschämt war und auch sonst eher brummelig ist, mag ich ihn doch irgendwie gern. Ich werde auch nicht vergessen, wie er und Ivan Kozak Mischa zu Hilfe eilten, als diese Demons in Grishino da waren...
      Als wir die Hauptstraße erreichten, kam uns ein LKW entgegen gefahren und je näher er kam, desto sicherer waren wir, hier unser verschwundenes Fahrzeug vor uns zu haben. Also blieben wir stehen und warteten gespannt ab, wer da sein Diebesgut genau vor unsere Füße fuhr... Diese Sache hat sich dann als sehr seltsam herausgestellt, denn es ist wohl so, dass der oder die Diebe mit unserem LKW nach Severograd zum Viadukt gefahren waren, ihn dort stehen ließen und stattdessen mit dem Auto dieser Gemeinschaft weiter fuhren. Wir sprachen mit John und er sagte, wir sollen unseren LKW wieder mitnehmen. Im Gegenzug versprachen wir, nach ihrem Auto Ausschau zu halten. So langsam habe ich ja das Gefühl, wir müssen es mit einer professionellen Bande zu tun haben... So schnell und lautlos werden die Fahrzeuge immer gestohlen, genauso lautlos wie die Diebe nachts in unsere Häuser einbrechen und die Schränke durchwühlen, ohne dass wir wach werden...



      In Severograd war jedenfalls gerade sehr viel los und es war nicht zu übersehen, dass irgendeine Spannung in der Luft lag. Der Lehrer erzählt uns, dass die Kirche hinter der Schule abgebrannt war und er sprach von einem gewissen Raphael, welcher die Leute mit religiösen Reden verunsicherte. Im Laufe des Gesprächs wurde ich ziemlich sicher, dass es sich hierbei um den Geistlichen, Pater Rawlings, handeln muss, denn es wäre schon ein erstaunlicher Zufall, dass beide Männer eine große Brandnarbe im Gesicht tragen und von Sünde und Gott reden und scheinbar ein Faible dafür haben, Kirchen zu verändern... Ich sagte dem Lehrer, was ich über den Geistlichen wusste, dann wurde das Gespräch unterbrochen, da noch mehr Besucher ankamen.
      Mischa und ich fühlten uns an uns selbst in Grishino erinnert, an den Stress den die Massen an Gästen immer ausgelöst hatten und daher beschlossen wir, lieber an einem anderen Tag wieder zu kommen, anstatt hier heute auch noch zur Last zu fallen. Ich glaube, Aranya und Gregorij wären gerne noch länger geblieben, aber sie fuhren trotzdem mit uns zurück. Der Rückweg war mit dem Fahrzeug um ein vielfaches schneller bewältigt und zuhause wurden wir schon von Strider und Yuri erwartet. Yuri erzählte uns, dass Ulysses sich auf eine längere Reise begeben hätte. Ich funkte Ulysses an und schimpfte ein bisschen mit ihm, dass er nicht gewartet hatte, um sich von uns zu verabschieden. Aber eigentlich war mir nur wichtig, ihm zu sagen, dass er gut auf sich aufpassen und wohlbehalten zu uns zurück kehren soll. Er lachte und versprach, dass er aufpasst und zurück kommt. Ich freue mich schon auf sein Gesicht, wenn er wieder da ist und das Geschenk sieht...
      Ich machte mich dann noch daran, Mischas Kleider zu reparieren und sah mir später die Kratzer an, welche die Klauen der Wölfe an ihm hinterlassen hatten. In Gedanken an Striders Gesicht hat Mischa wirklich großes Glück gehabt... Ich mag mir gar nicht ausmalen, was da noch alles hätte passieren können... Ihm darf nichts passieren!



      Anmerkung: Von James haben wir noch immer nichts gehört... Kharjo ist auch noch nicht von der Jagd zurück und nun auch noch Ulysses... Ich hoffe, sie kommen bald alle zurück!
      "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein. " Nietzsche

      "In einen Abgrund zu blicken halte ich für kompletten Schwachsinn. Es gibt auf der Welt eine Menge Dinge, die es eher verdienen, dass man in sie blickt." Rittersporn
    • Im Ferienhaus


      Mischa und ich haben uns wieder in das Gebäude zurück gezogen, welches wir scherzhaft "Ferienhaus" nennen, denn hier sind wir ganz alleine, hier verbannen wir alle Sorgen und Gedanken, schließen einfach die Vorhänge und genießen für eine Weile diese kostbare Zeit zu zweit... Als ich vorhin erwachte, war das Feuer herunter gebrannt und es war frisch, obwohl es doch noch immer Sommer ist. Also entfachte ich das Feuer neu, versorgte die Teller, von welchen wir gestern zu Abend gegessen hatten und beobachtete dann einfach Mischas im Schlaf so friedliches Gesicht...
      Das Gespräch, welches wir auf unserer kleinen Wanderung gestern geführt hatten, hat mich zum Nachdenken gebracht. Was ist, wenn Mischa Recht hat? Aber trifft dies nicht auch auf mich selbst zu? Und hat nicht jeder andere ebenfalls solche Konflikte in sich? Wenn dies ein Hinderungsgrund ist, wären wir dann nicht alle ganz alleine? Ich weiß nicht recht...
      Aber ich musste keine Sekunde nachdenken, als Mischa mich fragte, ob ich ihn denn begleiten würde. Natürlich würde ich das! Ich würde ihn überall hin begleiten! Er ist mein Partner, mein Halt, meine Kraft, mein Glück, mein Zuhause... Ich denke, wir sollten dieses Gespräch später noch fortführen, es ist wichtig. Vielleicht, wenn wir zurück zu den anderen laufen...


      Gestern Vormittag waren wir zusammen mit Makari nach Khelm gefahren, um den beiden dort das Wolfsfell zu bringen. Leider fanden wir den Hof jedoch verlassen vor, wir wollten gerade wieder gehen, als Maggie und Boris um die Ecke kamen. Also blieben wir doch noch ein wenig und unterhielten uns mit ihnen. Sie schienen ziemlich gut gelaunt, obwohl sich sich gleichzeitig etwas sorgten, weil sie befürchten, dieser Pavel würde irgendwann aufkreuzen und Stress machen. Sie sagten auch, wir sollen uns vorsehen, weil Pavel bestimmt auch zu uns kommt wegen Gregorij und dass Pavel ein schwieriger Mensch sei, welcher schnell durchdreht. Ich gab keinen Kommentar dazu, fragte mich aber, wie sie darauf kommen, dass Gregorij bei uns ist...
      Überhaupt ist dies ja auch einer der Punkte, wo ich nicht recht weiß, was ich tun soll... Cobra ist ein Freund für mich. Gregorij verdanken wir viel und haben kein Problem mit ihm... Also sagte ich nichts dazu und eigentlich mag ich auch nicht drüber nachdenken gerade... Bevor wir uns wieder an den Rückweg machten, erkundigte ich mich noch bei Maggie nach dem LKW, welcher hinter der Scheune stand und sagte ihr, dass die Leute in Severograd auf der Suche nach einem Fahrzeug sind. Sie sagte, sie würden das Fahrzeug zum Viadukt bringen, da sie es selbst nicht benötigen. Das mitgebrachte Fell ließ ich in einem der Zelte und schrieb eine kurze Notiz dazu. Ich denke, wir werden in ein paar Tagen nochmal dort vorbei schauen...


      Makari schien noch stiller als sonst zu sein, in sich gekehrt. Dies fiel sogar den anderen Leuten auf und ich hoffe, es stimmt, dass es ihm gut geht... Ich sehe schon, ich fange wieder mit dem ewigen Nachdenken an! Schluss damit! Ich gucke jetzt lieber, ob ich noch irgendetwas dabei habe, woraus ich ein Frühstück für uns machen kann, bevor Mischa aufwacht...
      "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein. " Nietzsche

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    • Norden, Süden und zurück


      Ein weiter Weg liegt hinter Mischa und mir, von Süden nach Norden, von Norden nach Süden und schließlich bis hier her... Alles begann damit, dass wir heute morgen feststellten, dass unser LKW schon wieder über Nacht gestohlen worden war. Ich hatte gerade den Zettel von Eva und Gregor an unserem Haus gefunden, auf welchem steht, dass die beiden eine ausgedehnte Versorgungstour unternehmen. Ich hoffe, sie passen gut auf sich auf und kommen bald zurück zu uns! Unser Lager wird immer stiller... James, Kharjo, Ulysses, Eva und Gregor sind jetzt alle unterwegs. Yuri sitzt den ganzen Tag in seinem Haus und liest oder spielt Gitarre, ab und zu huscht er wohl zu den Vorräten und holt sich etwas zu essen, aber ansonsten kriegen wir ihn nicht zu Gesicht...
      Wahrscheinlich ist es kein Wunder, dass wir hier so dreist bestohlen werden, wenn die Hälfte von uns nicht da ist. Ich kann schon kaum noch wütend werden, weil ich nichts anderes mehr erwarte... Jedenfalls beschlossen wir trotzdem, nach Severograd zu wandern, um die Leute dort zu fragen, ob ihnen auch wieder ihr Fahrzeug gestohlen wurde und vielleicht hätten sie inzwischen ja auch einen Hinweis auf die Diebe gefunden... Makari begleitete Mischa und mich auf diesen langen Fußmarsch, welchen wir recht schweigsam zurück legten. Wir wussten, dass sich Wölfe in dem zu durchquerenden Gebiet rumtreiben, das hatte Aranya und erzählt und deshalb horchten wir sehr aufmerksam auf jedes Geräusch... Glücklicherweise waren die einzigen Begegnungen, die wir hatten, solche mit Kranken, welche wir immer rechtzeitig erspähten und ausschalten konnten, ehe sie uns zu nahe kamen. So kamen wir dann um die Mittagszeit beim Viadukt an.


      Das Viadukt lag verlassen, aber noch während wir etwas unschlüssig vor dem Gebäude standen, tauchten die Leute nach und nach auf. Wir erfuhren, dass sie diesmal von den Dieben verschont worden waren, aber Hinweise hatten sie leider auch noch keine gefunden. Da es heute mal etwas ruhiger da war, lies ich mir von Alexander etwas über diesen Ort und seine Pläne erzählen und ich musste schlucken, als er sagte, er wolle hier wie früher wieder Kinder unterrichten. Natascha und Igor waren die einzigen Kinder, die ich seit Monaten gesehen habe und der Gedanke an die beiden stimmt mich immer unendlich traurig... Da ich hier aber unter Leuten war, versuchte ich die Erinnerungen schnell wieder zur Seite zu schieben und mir nichts anmerken zu lassen. Die allgemeine Aufmerksamkeit wandte sich dann auch ziemlich schnell dem Geistlichen zu, welcher auf der anderen Straßenseite in einem der Hochhäuser am Fenster stand und scheinbar das Viadukt bespannte...
      Makari verkündete, er wolle sich die Stadt ansehen und einen Platz zum Meditieren suchen, ich sah ihm nach, wie er die Straße entlang ging. Auf unserer Reise hatte er gesagt, diese Welt mit den Kranken mache ihm zu schaffen. Vielleicht muss er noch lernen das zu akzeptieren, akzeptieren dass es nun mal so ist und wir uns damit arrangieren müssen und nicht in den Gedanken an früher verharren dürfen... Ich erinnere mich, dass er auch einmal erwähnte, er wünsche sich die alte Zeit zurück, oder wäre zumindest gerne wieder auf dieser Arche. Aber darüber haben wir keine Macht und es ist nicht gut, wenn wir nur zurück blicken... Wir leben in der Gegenwart und gehen vorwärts... Hoffentlich schafft er es, diese Schatten zu überwinden...


      Als nächstes tauchte Gregorij mit seinem LKW auf und ging mit Mischa und mir zusammen zu den Hochhäusern, denn Mischa wollte den Geistlichen gerne zur Rede stellen. Erst fanden wir ihn nicht, er war wie vom Erdboden verschluckt, doch dann tauchte er wieder auf und das folgende Gespräch war mehr als merkwürdig. Rawlings scheint mir entweder geisteskrank, schizophren oder etwas in der Art, oder aber er ist einfach ein Halunke, der irgendetwas im Schilde führt und ein sehr guter Schauspieler ist. Denn seine Aussage am Schluss, er wolle dass die Leute denken, er sei ein Geist, passte überhaupt nicht zu den restlichen Erzählungen... Ich frage mich, wie lange die Leute in Severograd das noch mitmachen werden...
      Mischa und ich nahmen dann die Gelegenheit wahr, zusammen mit John, Alexander, Semi und Dwight mit ihrem LKW bis nach Khelm zu fahren, so sparten wir uns viele Kilometer Fußmarsch. Ich genoss die Fahrt sehr, denn Dwight hatte tatsächlich Musik im Fahrzeug! Zwar war die Kassette schon etwas älter und rauschte, doch das war mir egal... Fast schon zu schnell war die Fahrt vorbei und wir sprangen in Khelm von der Ladefläche. Leider waren hier wohl alle ausgeflogen, so dass ich auch nicht nach meiner Bestellung fragen konnte. Mischa und ich bedankten uns bei den Herren für die Mitnahme und machten uns dann auf den Weg Richtung Zuhause. Bis ganz da hin kamen wir allerdings nicht mehr, zu verlockend war es, zu unserem Ferienhaus abzubiegen...
      "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein. " Nietzsche

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    • Schulden


      Soll ich versuchen zu verstehen, wie das möglich ist? Wahrscheinlich sinnlos in dieser Zeit der Kuriositäten... Tatsache ist, dass heute Morgen Hank zusammen mit einem gewissen Pay bei uns war. Woher sie wissen, dass dieser Ort bewohnt ist - keine Ahnung... Und warum Hank seine AKM auf mich gerichtet hielt, während wir uns unterhielten, verstehe ich auch nicht. Immerhin hatte er zuletzt in Grishino gesagt, er wolle Frieden mit uns halten, wir hätten eine Art Bündnis und man müsse sich doch gegenseitig unterstützen... Nun sagte er, wir würden ihm einen Gefallen schulden (soweit ich mich erinnere gründet dieser darauf, dass er uns damals nicht den Hals umdrehte, als irgendjemand die Lüge verbreitete, wir würden ihn töten wollen) und diese "Schuld" könnten wir jetzt begleichen, indem wir ihm den LKW überließen, welcher bei uns geparkt war. Natürlich war es ihm egal, als ich sagte, dies sei nicht unser Fahrzeug, sondern das eines Gastes...
      Hank ließ sich nicht weiter auf ein Gespräch ein, sondern hielt weiter sein Gewehr auf mich gerichtet, bis sein Kollege den LKW gestartet hatte, dann fuhren sie davon. Natürlich war Gregorij wütend und es war ja auch nicht in Ordnung, dass ein Besucher bei uns sein Fahrzeug auf solche Art verlor. Ich versprach ihm, dass wir einen anderen LKW für ihn finden werden und wir machten uns ja auch kurz darauf auf die Suche... Mischa war beunruhigt darüber, dass Hank hier aufgekreuzt war, aber ich gehe mal stark davon aus, dass er uns nicht wieder beehren wird, denn er sagte uns ja, dass er uns nicht leiden kann... Außerdem hielt gibt es wenigstens einen kleinen positiven Punkt an der Sache, nämlich dass wir nun wissen, dass Hank nicht mehr in Kabanino ist und er sagte zudem, dass er mit den Leuten dort nichts zu tun haben möchte. Ich gehe davon aus, dass er damit diese Demons meinte...


      Dieser Tag fing also mal wieder richtig toll an, die gute Laune nach dem Aufwachen im Ferienhaus schnell verflogen, wenn man noch vor dem Frühstück in ein Gewehr geguckt hat... Vielleicht hätten wir doch noch ein bisschen länger liegen bleiben sollen... Aber nun ist es so und wir vergeudeten keine Zeit, sondern gingen sogleich los, um nach einem Fahrzeug für Gregorij zu suchen, welcher sich murrend in das Gästehaus zurück gezogen hatte. Ich erinnerte mich an den Truck in Khelm und schlug vor, dass wir die Leute dort fragen, ob dieser zum Verkauf stünde. Wir nahmen den Weg durch den Wald und wenn die Umstände nicht wären, hätte ich eine solche Wanderung mit Mischa sehr genossen. Der Geruch von Moos und Laub, das leise Summen der Insekten und das Rauschen der Blätter im Wind...
      Während wir also durchs Unterholz stiefelten, unterhielten wir uns über die vorangegangenen Ereignisse und wir waren uns einig darin, dass wir niemandem sagen, dass es Hank gewesen war, welcher den Truck eines Gastes mitgenommen hatte. Uns steht nicht der Sinn nach Ärger mit diesem jähzornigen Mann... Außerdem machten wir uns Gedanken um die Vorräte, welche in den letzten Tagen ziemlich geschrumpft waren und ich schlug vor, dass wir die Suche auch auf Lebensmittel ausweiten. Kurz vor Khelm begann es dann immer stärker zu regnen und als wir ankamen, fing es auch noch an zu stürmen. Leider war nichts zu hören oder zu sehen von den Bewohnern, aber wir beschlossen, eine Weile zu warten und suchten in einem kleinen Schuppen Schutz vor dem Wetter. Dort entfachten wir ein Feuer und trockneten unsere Sachen. Als dieses herunter gebrannt war und sich noch immer niemand gezeigt hatte, beschlossen wir, weiter zu wandern.


      Etwas unschlüssig, wohin wir uns wenden sollten, kam ein wohlbekanntes Fahrzeug angefahren, aus welchem zwei Leute ausstiegen und sich wahrscheinlich genauso suchend wie wir selbst auf dem Sonnenhof umsahen. Wir gingen näher und erkannten den Lehrer Alexander, wobei ich mich bemühte, nicht seine schlammigen Lederschuhe anzustarren, welche zweifelsohne nicht für solche Witterung gedacht waren. Er bestätigte, dass sie gehofft hatten, die Bewohner hier anzutreffen, da er etwas über Lederverarbeitung lernen wollte. Seltsamerweise sagten ihm die Herren Talamar und Nikolayevitsk nichts und wir erzählten ihm ein wenig über diese beiden freundlichen Männer. Außerdem fragten wir nach, ob sie in Severograd oben vielleicht noch ein Fahrzeug zum Verkauf hätten und wurden daraufhin an Dwight verwiesen. Da die Leute hier auch nicht ewig warten wollten, schlossen wir uns ihnen an und fuhren mit zum Viadukt...
      Tatsächlich hatten sie dort ein fahrtüchtiges Auto, für welches sie im Tausch Zelte, Schränke oder Koffer haben wollten. Damit konnten wir nicht dienen, sagten aber zu, dass wir welche für sie auftreiben würden. Erstaunlicherweise konnten wir das Auto direkt mitnehmen, sie trauten uns also so weit, dass wir Schulden machen durften. Blieb nur noch die Frage, wo wir nach den gewünschten Dingen suchen sollten. Mir fiel ein, wie wir vor Wochen zusammen mit Richard in einer Stadt gewesen waren und dieser gesagt hatte, er hätte Zelte in einem Haus gesehen. Das war in der Zeit gewesen, als Mischa und ich in Kabanino ein paar Tage Unterschlupf gefunden hatten. Kommt mir vor, als sei es eine Ewigkeit her... Wir fuhren also zu dieser Stadt und ausnahmsweise war das Glück uns hold, denn schon nach kurzem Umsehen entdeckten wir drei kleine Zelte, welche verstaubt da herumlagen. Außerdem fand Mischa noch eine alte Kassette und auf der Rückfahrt nach Severograd schloss ich die Augen und lauschte der Musik. Das war schön, ich hätte ewig weiter fahren können. Nur Mischa und ich, die Kranken weit hinter uns zurück lassend, eine Welt in einer Welt...


      Aber dann kamen wir an und lieferten die Zelte ab. Diese Schuld war also auch beglichen. Wir hörten, dass Cobra auch da sei und sahen ihn zusammen mit John auf dem Dach eines Hochhauses stehen, aber als wir dort hin gingen und die Leiter erklommen hatten, fanden wir nur noch John vor. Das war schade, ich wollte Cobra schon lange sprechen... Wir hatten noch eine kurze Unterhaltung mit John, welcher mir recht aufgelöst vorkam. Ich empfahl ihm, sich ab und zu eine Auszeit zu nehmen, wie auch Mischa und ich es tun, wenn alles um uns nur Chaos ist...
      Da es schon spät war, machten wir uns dann aber endgültig an den Heimweg. Ich schlug Mischa vor, dass wir morgen nochmal nach einem LKW für Gregorij suchen, denn um ehrlich zu sein, würde ich das Auto gerne für uns behalten. So oft schon hatten wir vor, mit dem Auto eine weite Reise zu machen, nur um dann schlussendlich doch zu Fuß eine kurze Strecke zu bewältigen dank dieser elendigen Diebe... Zuhause angekommen war alles still, aber auch wir waren müde von der vielen Lauferei in den letzten Tagen. Es war aber ein schönes Gefühl, wieder hier zu sein, ins Haus zu gehen und die Türe hinter uns zu schließen... Gute Nacht du seltsame Welt, ich lass mich von dir nicht unterkriegen...
      "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein. " Nietzsche

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    • Ein guter Tag


      Zur Abwechslung endlich mal wieder ein richtig guter Tag! Angefangen damit, dass Aranya wohl da gewesen sein muss, denn unser Lager quillt über vor frisch geerntetem Kürbis. Der Mönch ist wie ein guter Geist, denn erst gestern hatte ich gedacht, dass wir dringend Lebensmittel suchen müssen und nun haben wir Gemüse im Überfluss... Ich hoffe, Aranya ist noch in der Gegend und ich erhalte die Möglichkeit, mich bei ihm zu bedanken. Wir würden ihm ja auch gerne etwas zurück geben, doch das lehnt er immer ab...
      Dann fuhren Mischa und ich zusammen mit Gregorij nach Khelm, wo wir endlich Herrn Talamar und Herrn Nikolayevitsk mal wieder antrafen und tatsächlich konnte Gregorij den LKW, der dort seit Tagen besitzerlos rumstand, mitnehmen. Außerdem war meine Bestellung fertig, jetzt fehlt nur noch die Person, welche dieses Geschenk erhalten soll... Wir unterhielten uns noch ein wenig mit den beiden Männern, ein Gespräch, in welchem sogar viel gelacht wurde. Irgendwann hörte ich mein Funkgerät knistern, kurz darauf Makaris Stimme...
      Wir verabschiedeten uns dankend, Gregorij fuhr mit dem LKW davon, während Mischa und ich uns mit dem Auto auf den Weg Richtung Severograd machten, um Makari abzuholen. Oben angekommen stellte ich schnell fest, dass Makari bedeutend bessere Laune hatte und auch wieder gesprächiger war. Das ist schön. Kurz sprachen wir mit Alexander und ich konnte ihm ein paar Informationen bezüglich seines Wunsches über einen Kurs in Lederverarbeitung geben. Schließlich machten wir uns aber an den Heimweg, welcher mit dem Fahrzeug erstaunlich schnell bewältigt war.


      Solche Tage kann es gerne öfters geben! Keine Diebe, keine Seltsamkeiten, keine Kranken, keine Wildtierangriffe, keine Verletzungen, keine Stressereien... Mischa uns ich ließen den Tag mit einem, wie wir immer scherzhaft "Fernsehabend" nennen, im Haus ausklingen und genossen die Ruhe, die über unserem Zuhause liegt... Ich weiß, dass wir noch viel zu tun haben, dass jeder Tag seine eigenen Herausforderungen hat, aber wir haben doch auch solche Tage verdient! Tage an denen wir lachen, an denen wir uns gut fühlen und einfach nur glücklich sind...
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    • Erinnerungen, Informationen und Pläne


      Erinnerungen sind wichtig, denn manchmal bleibt einem nichts anderes mehr... Wohl wahr. Ich saß auf diesem Steg und dachte an Natascha und Igor, die viel zu jung von dieser Welt zerbrochen wurden... Dachte an ihr Lachen, an das Funkeln in ihren Kinderaugen... Dann löste ich mich aus diesen Gedanken, wie auch die Wellen des Meeres sich vom Strand lösten und klappte den Koffer zu, welchen ich hier her, in das Heimatdorf der Kinder gebracht hatte, da es mir unmöglich ist, nach Kabanino auf den Friedhof zu gehen...
      Berezhki hatte sich uns malerisch gezeigt, doch der Nebel verschleierte nur auf den ersten Blick die Kranken, welche auch hier im Schatten der Häuser harren... Ich wunderte mich wie so oft über ihre Anzahl, aber vielleicht sind manche von ihnen Flüchtlinge aus der Stadt, welche im Gebirge Schutz gesucht hatten. Nur dass es auch hier keinen Schutz gegen diese Seuche gab... Ich warf noch einen Blick zurück zu dem Koffer auf dem Steg, auf das sanft wogende Meer und die am Horizont kreisenden Möwen, dann ging ich zurück zu den anderen und wir verließen den Ort wieder. Diesmal ließen wir diese amerikanische Schrei- Musik aus, welche auf der Kassette im Auto ist, denn wir waren alle ein wenig in Gedanken versunken... Wir passierten ein zweites Mal den Geländewagen, welchen wir auf der Hinfahrt entdeckt hatten und der fahrtüchtig mitten in einem Ort steht. Ob er die Anwesenheit von Überlebenden anzeigt oder einfach nur zurück gelassen wurde, ließ sich nicht sagen...


      Leider hatte Mischa unterwegs ein paar unschöne Begegnungen mit Kranken, welche ihn zum Glück nicht ernsthaft verletzten, aber seine Jacke dermaßen zerrissen, dass ich da selbst mit einer Nähmaschine nicht mehr viel retten könnte. Wir dachten daran, dass die Leute im Viadukt gesagt hatten, dass sie eine Menge Kleidung rumliegen hätten und vielleicht wäre ja etwas passendes für Mischa dabei. Allerdings dachten wir auch an Gregorijs Erzählung, welcher früher am Tag schon mal in Severograd gewesen war um zu handeln und dort auf den komischen Arzt aus Kabanino getroffen war, welcher mir damals gesagt hatte, ich dürfe nur in Kabanino wohnen, wenn ich mich von ihm untersuchen lasse und der alle möglichen komischen Dinge hatte wissen wollen. Angeblich hat er sein Gedächtnis verloren und so muss er es gewesen sein, von dem ich hörte, dass er in Khelm rausgeworfen worden sei... Aber eigentlich ist mir das alles egal, wichtig ist was der Arzt Gregorij sagte. Nämlich dass irgendwelche Leute beim Viadukt Ärger machen würden, von Erpressung war die Rede gewesen. Dies veranlasste uns dazu, uns die Lager erstmal aus sicherer Entfernung anzusehen...
      Ein gutes Stück vor Severograd hielten wir an und während Gregorij vor zur Schule ging, liefen Mischa und ich am Waldrand entlang auf erhöhtes Gelände, von wo aus wir einen guten Ausblick auf das Viadukt hatten. Erst konnte ich nichts besonderes durch das Fernglas entdecken, aber dann sah ich zwei Personen, welche wohl geduckt in den oberen Etagen der Schule umher huschten. Nachdem wir noch eine Weile länger gewartet hatten und ansonsten nichts komisches sahen oder hörten, gingen wir zurück zum Auto und fuhren in Richtung des Viadukts. Kurz vor dem Gebäude kam Gregorij auf uns zu geeilt und schrie, dass wir anhalten sollten. Mit den Worten, dass die Erpresser wieder auf dem Weg hier her seien, sprang er in den Wagen und hieß Mischa dann Gas zu geben...


      Während wir uns mit ziemlich hoher Geschwindigkeit entfernten, erzählte Gregorij uns, was er in einem Gespräch mit einem der Bewohner erfahren hatte. Diese Informationen waren beunruhigend und ich verstehe wie so oft nicht, warum die Menschen so sind wie sie sind und vor allem frage ich mich, was dies alles für uns bedeutet... Mischa und Gregorij sagten beide, sie wollen damit nichts zu tun haben, aber die Frage ist doch, ob wir uns das überhaupt aussuchen können... Mir tun die freundlichen Leute im Viadukt leid...
      Als wir wieder zuhause waren und Gregorij sich zurück gezogen hatte, diskutierte ich noch recht lange mit Mischa über dieses und andere Themen. Er erzählte mir von dem Plan, den er sich gemacht hatte und obwohl dieser für mich bitter schmeckt, ist es doch so, dass ich Mischa da voll und ganz vertraue und vermutlich hatte er Recht mit dem, was er sagte... Mit seinem Versprechen, immer bei mir zu bleiben, versprach ich ihm, dass ich die Entscheidungen bezüglich mancher Dinge in seine Hände lege und seinen Rat befolgen werde... Ich sah in Mischas Augen und darin liegt die Unendlichkeit und wenn er da ist, dann ist diese Welt in Ordnung. Trotz all dem Leid um uns... Denn da ist das Wesentliche, das wirklich Wichtige...
      In unser Gespräch vertieft, bemerkten wir Strider erst als er fast vor uns stand. Der Strelets erzählte, dass er ein paar Tage im Land unterwegs gewesen sei und er kam mir traurig uns rastlos vor. Mischa entfernte die Fäden von Striders Verletzung, dann erhielten wir ein tolles Geschenk in Form eines kleinen Koffers mit Salz und Gewürzen. Strider blieb jedoch nicht lange, sondern ging in die Stadt um Kranke zu töten. Ich glaube, er vermisst seine Freundin sehr und ich kann verstehen, dass es ihm schmerzen muss, Mischa und mich zu sehen. Auch dies tut mir sehr leid...


      Anmerkung: Noch immer keine Meldung von denen, die auf Tour gegangen sind. Hoffentlich geht es allen gut!
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    • Träume können doch wahr werden


      Ich hätte es nicht für möglich gehalten, vielmehr sah ich ziemlich schwarz für Striders Hoffnung... Nach so langer Zeit ohne den geringsten Hinweis, nach Monaten der Ungewissheit... Doch heute wurde Striders Traum Wirklichkeit, denn wir fanden seine Freundin Alicia. Ein Wirklichkeit gewordener Traum im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Strelets hatte in der Nacht von einem See geträumt und er war ganz konfus und wollte unbedingt sogleich diesen Ort aufsuchen gehen. Natürlich sagte ich zu, ihn zu begleiten und auch Mischa und Makari schlossen sich an, wobei ich mich ehrlich gesagt eher innerlich darauf vorbereitete, später einen hoffnungslosen und traurigen Menschen irgendwie zu trösten. Doch dann war alles dieser unwirkliche Traum...
      Denn zwischen Nebel und Felsen stand tatsächlich Alicia, Striders in einen Sturm verloren gegangene Liebste. Aber Träume sind auch tückisch... Für einen Moment erwartete ich eine filmgleiche Begrüßungsszene zu sehen, aber stattdessen sah die junge Frau uns nur misstrauisch und verwirrt an, sie erkannte Strider nicht mehr. Anscheinend hat sie bei einem schweren Sturz ihr Gedächtnis verloren und die Kopfwunde, welche Strider und ich später so gut es ging versorgten, sah wirklich übel aus... Armer Strider... Aber wer weiß, vielleicht kehrt ihre Erinnerung zurück und es war auch nicht zu übersehen, dass sie ihm trotzdem Vertrauen schenkte und sie wollte auch mit uns kommen...


      Nachdem wir ohne Erfolg versucht hatten, die Sanitäter anzufunken, beschlossen wir, nach Severograd zu fahren, wo ja angeblich auch ein Arzt ansässig ist. Leider stellte sich heraus, dass dieser wohl seit Tagen unterwegs ist und so gaben Strider und ich unser bestes und verarzteten Alicia im Viadukt mithilfe einiger von Alexander zur Verfügung gestellter Arzneien. Während unseres kurzen Aufenthalts in der Schule lag wieder fast greifbare Anspannung in der Luft und wir schnappten ein paar Informationen auf, welche nach wie vor sehr beunruhigend sind... Wir blieben nicht länger als nötig, sondern fuhren zurück nach Hause. Alicia schläft, von Strider fürsorglich bewacht und ich denke, es wird ihr gut tun, sich an einem friedlichen Ort auszuruhen...
      Ich sah noch kurz bei Yuri vorbei, aber wie schon am Morgen hatte er immernoch seine Nase in einem Buch und ich konnte ihn nicht dazu bringen, sein Haus zu verlassen. Wahrscheinlich lässt sich auch dies positiv auslegen, denn es bedeutet doch, dass er sich wohl und sicher fühlt und das ist, was ich mir für uns alle wünsche...
      Genauso war es gut, Makari bei der Gartenarbeit zu helfen, zu sehen was aus der Arbeit erwächst... Schritte nach vorne, dort hin wo die Zukunft ist...
      Und vielleicht können wir uns ja doch noch ein paar Träume erlauben...
      "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein. " Nietzsche

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    • Ruhige Tage


      Die letzten drei Tage waren angenehm ruhig und friedlich. Es mag zwar zum einen daran liegen, dass die meisten von uns noch immer unterwegs sind, aber auch daran, dass wir alle diese Ruhe mögen. Yuri sitzt in seinem Haus und liest oder spielt Gitarre, Makari meditiert, Strider rührt sich nicht von Alicias Seite, welche sich noch immer von ihren Verletzungen erholt. Unser Gast Gregorij ist mal da, mal ist er weg, ich bekomme ihn nur selten zu Gesicht. Dafür sah ich Aranya wieder und konnte mich bei ihm für das Gemüse bedanken. Er hatte auch schon wieder ein paar Vorräte für uns dabei und wollte partout nichts dafür zum Tausch haben. Ich erkundigte mich, wo der Mönch überall gewesen war und was er erlebt hatte. Viel war es nicht und er hatte auch keine anderen Überlebenden getroffen, es scheint also, als seien Khelm, Kabanino und Severograd die einzig von mehreren Leuten bewohnten Orte derzeit. Diese drei und unsere Gemeinschaft...
      Sehr erfreut war ich über die Nachricht, dass Kharjo endlich von der Jagd zurück gekehrt ist. Er hatte Mischa und mir Geschenke und einen Brief vors Haus gelegt, gesprochen habe ich ihn aber noch nicht. Vielleicht klopfe ich später mal bei ihm an... Von Ulysses, Gregor und Eva haben wir nach wie vor nichts gehört. So langsam mache ich mir etwas Sorgen um Ulysses, denn er ist nun schon weit über eine Woche weg und sollte eigentlich längst zurück sein... Ich werde Mischa fragen, was er denkt, wie lange wir noch warten sollen, bevor wir ihn suchen gehen...


      Gestern erhielten wir überraschend Besuch von einem Reisenden. Es war ein Mann namens Frank, welcher auf der Suche nach seinem Freund Patrick war und seine Erzählungen darüber, wie er in unser Land kam, ließen mich sofort an Cobra denken. Ein gesunkenes Schiff, Istanbul... Mal wieder wirklich seltsame Überschneidungen in unserer inzwischen so kleinen Welt... Jedenfalls war dieser Frank auch auf der Suche nach einem Arzt und nachdem wir ihm Essen und Trinken angeboten hatten, schlugen wir ihm auch vor, ihn nach Severograd zu fahren. Dies nahm er dankend an, da er sich nicht gut auskennt und es ein weiter Fußmarsch wäre. Ich nannte ihm auch die Funkfrequenz des Sanitäters und bat ihn, den Leuten im Viadukt einen Gruß zusammen mit einem Paket Reis zu übermitteln, da keiner zuhause war, als wir dort ankamen und Mischa und ich nicht all zu lange warten wollten. Ich empfahl Frank, vor dem Gebäude zu warten, bis die Bewohner zurück sein würden, dann fuhren wir heim.
      Ich werde wohl gleich mal unsere Vorräte durchgehen und meine Liste aktualisieren, aber eigentlich sieht es wohl gerade ganz gut aus und wir müssen uns keine Sorgen darüber machen, dass wir nicht satt werden. (Zumindest die nächsten Tage nicht)
      "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein. " Nietzsche

      "In einen Abgrund zu blicken halte ich für kompletten Schwachsinn. Es gibt auf der Welt eine Menge Dinge, die es eher verdienen, dass man in sie blickt." Rittersporn
    • Abschied


      Wir haben Makari zur Küste gebracht, dort will er sich ein Boot suchen und aufs Meer fahren. Er sagte, er braucht die Ruhe der See, wo keine Kranken sind und er zieht die Einsamkeit da draußen den Problemen an Land vor... Ich stellte ihm ein Paket mit Proviant zusammen und vergewisserte mich, dass er sein Funkgerät und eine Ersatzbatterie dabei hat, damit er sich melden kann, wenn etwas sein sollte. Der Abschied war kurz gemessen an der Zeit, welche Makari bei uns war. Ob wir uns irgendwann wieder sehen, steht in den Sternen...
      Doch es ist richtig, dass er dem Weg folgt, welcher ihm als der für ihn geschriebene scheint und viel zu selten folgen wir alle doch dem, was unser inneres uns sagt... Ich wünsche Makari viel Glück und hoffe, dass er es schafft und nicht untergeht, aber ich glaube, er wird in seinem Element sein da draußen...
      Unsere Gemeinschaft schrumpft, still liegt unser Lager in den letzten Tagen... Keine Meldung von denen, die unterwegs sind um Vorräte zu suchen... Kharjo schrieb, er sei zurück, aber trotzdem bekomme ich ihn nicht zu Gesicht, Yuri, Strider und Alicia genauso wenig... Nein, nicht mal unseren Gast sehe ich zur Zeit. Ob wir irgendwann nochmal etwas von James hören werden, bezweifle ich inzwischen stark.... Nun ist Makari auch fort, welcher doch zusammen mit Ulysses, James und uns beiden der Kern dieser Gruppe war. Hoffentlich geht es allen gut!
      Ich dachte heute lange über das Gespräch nach, welches ich neulich mit Mischa führte... Vielleicht lösen sich diese zwiespältigen Gedanken von alleine auf, vielleicht muss ich mir gar keine Sorgen mehr machen... Veränderungen finden nicht nur in uns selbst statt, sondern auch in der Umgebung und in allem und jedem...


      Dann war da noch diese Begegnung heute morgen... Ich kam gerade vom See zurück, wo ich gebadet und Wäsche gewaschen hatte, als ich eine unbekannte Person über die Wiese huschen sah. Ich nahm mein Gewehr von der Schulter und näherte mich vorsichtig. Schon von weitem konnte ich erkennen, dass der Fremde stehen blieb und mit erhobenen Händen in meine Richtung sah. Kurz darauf erkannte ich in ihm diesen seltsamen Doktor aus Kabanino, aber er schien mich nicht mehr zu kennen und starrte nur ängstlich auf mein Gewehr. Ich sagte ihm, er solle die Hände runter nehmen und vor mir her gehen bis zu unserem Zelt, wo wir uns dann hinsetzten. Mein Gewehr hielt ich lieber in der Hand, denn es war keiner außer mir wach...
      Der Doktor sagte, er habe sein Gedächtnis verloren und sei auf der Suche nach einer Frau namens Katharina. Auf die Frage, was er denn von dieser Katharina wolle, sagte er, er habe gehört, sie hätte auch mal in Kabanino gelebt und könne ihm vielleicht helfen, sich zu erinnern. Ich ließ ihn lieber im dunkeln darüber, wer ich bin, sagte ihm aber seinen Namen und wer noch alles in Kabanino gewesen war damals. Dann erzählte er noch von Banditen, die ihn ausgeraubt hatten und wie er von Maggie aus Khelm vertrieben worden sei, obwohl er nur hatte handeln wollen. Dies fand ich seltsam, da die beiden Besitzer des Sonnenhofes doch sonst immer so gastfreundlich sind... Allerdings ist mir dieser Doktor Petrow auch nicht ganz geheuer...
      Ich war froh, als Mischa dazu kam, denn der Doktor hatte noch Fragen, bei welchen ich mir nicht sicher war, wie ich sie beantworten sollte und es war mir lieber, wenn Mischa dies tun würde. In manchen Dingen weiß er einfach besser, was zu tun ist... Ich gab dem Doktor noch den Rat, seine Amnesie vielleicht einfach als einen Neuanfang zu nehmen und nicht weiter in der Vergangenheit zu stochern...


      Anmerkung: Mischa sagte, wir werden bald mal losfahren und nach Ulysses Ausschau halten.
      "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein. " Nietzsche

      "In einen Abgrund zu blicken halte ich für kompletten Schwachsinn. Es gibt auf der Welt eine Menge Dinge, die es eher verdienen, dass man in sie blickt." Rittersporn
    • Alltag


      Heute war ein typischer Neue-Welt-Lager-Alltag-Tag...


      Nach dem aufstehen fand ich im Vorratszelt eine Menge Gemüse, ich denke ich weiß schon, wer uns das hinterlassen hat. Außerdem eine Nachricht und einen Koffer voll Munition von Frank. Ich sah mich um, konnte den Mann jedoch nicht entdecken. Also nahm ich mir die Hacke und die Schaufel und ging in Makaris Garten. Ich hatte mir von ihm erklären lassen, was zu tun ist, bevor er uns verließ und ich will versuchen, sein Werk fortzuführen, damit wir bald eigenes Gemüse ernten können...
      Nachdem ich die Erde gelockert und dem Unkraut den Garaus gemacht hatte, versorgte ich die Gerätschaften und räumte im Zuge dessen gleich mal unser Lager auf. Ich ging die Hausapotheke durch, prüfte den Zustand der Werkzeuge und zählte die Lebensmittel. Dann setzte ich mich kurz in die Sonne und nahm ein kleines Frühstück aus Konservenbohnen und gekochtem Reis zu mir. Dank der Gewürze, welche Strider und Kharjo mitgebracht hatten, schmeckt das Essen nun nicht mehr so fad...
      Als nächstes machte ich einen Kontrollgang rund ums Lager, stellte fest, dass niemand außer mir wach war, alles in Ordnung schien und nichts ungewöhnliches zu entdecken war. Auch spähte ich mit dem Fernglas die Umgebung ab und auch hier war positiverweise nichts zu entdecken, keine Kranken, keine Wölfe, einfach nichts...


      Ich erwog kurz, Mischa mit einem Frühstück im Haus zu überraschen, ließ ihn dann doch lieber ausschlafen und schnappte mir stattdessen die Axt um unseren Brennholzstapel zu vergrößern. Es musste inzwischen um die Mittagszeit rum sein und das Holzhacken in der Sonne trieb mir den Schweiß auf die Stirn. Auch fühlen sich solche Arbeiten noch immer seltsam an, ich habe das Gefühl, durch den fehlenden Finger kann ich nicht mehr ganz so gut greifen. Die Hand funktioniert, aber es fühlt sich eben komisch an...
      Nachdem für mein Empfinden genug Holz gemacht war, machte ich mich auf den Weg zum Brunnen, um mich zu waschen und gleich noch unseren Wasserkanister aufzufüllen. Der Rückweg kam mir bedeutend länger vor mit dem schweren Kanister und ich war froh, als ich das unhandliche Ding wieder im Zelt abstellen konnte...
      Nach einer kleinen Verschnaufpause beschloss ich, die frischen Lebensmittel zu verarbeiten und brachte eine gute Weile damit zu, das ganze Gemüse klein zu schneiden, genauso etwas von dem Rindfleisch, um dann alles zusammen mit einer ordentlichen Portion Gewürzen im größten Topf zu einem Eigenkreation- Gulasch zu kochen. Während das Essen vor sich hin kochte, wusch ich Geschirr und vergrub den Abfall weit abseits vom Lager, um keine Ratten anzulocken. Schließlich war das Gulasch fertig und es wunderte mich, dass der herrliche Duft niemanden aufweckte...


      Ich überlegte gerade, was als nächstes zu tun war, als Frank zwischen die Häusern auftauchte. Ich lud ihn zum Essen ein und hörte mir an, was er in den letzten Tagen alles erlebt hatte... Es war schön zu sehen, dass ihm das Gulasch so gut schmeckte, beunruhigend war jedoch, was Frank von Wolfsangriffen und der angespannten Lage in Severograd erzählte. Er hatte wohl großes Glück gehabt und nur ein paar kleinere Blessuren davon getragen. Vom Viadukt berichtete er, dass die Leute dort sehr freundlich, aber auch kurz angebunden und scheinbar gestresst gewesen waren...
      Da ich ohnehin Zeit hatte, zeigte ich Frank, wie er ohne Axt und ohne Streichhölzer ein Lagerfeuer machen kann und gab ihm noch ein paar nützliche Tipps für das Überleben in der Wildnis. Er war total begeistert und sog alles wissbegierig in sich auf. Auch zeigte ich ihm verschiedene Punkte auf der Landkarte, vor allem die Gebiete, von denen ich wusste, dass sich dort Wildtiere rumtreiben. Es stellte sich heraus, dass er schon mal in Khelm gewesen war, aber am falschen Ende des Ortes und dadurch nur Kranke getroffen hatte. Also erklärte ich ihm auch, wo genau der Sonnenhof zu finden ist... Da Frank ziemlich erledigt von seiner Reise und zudem ziellos war, bot ich ihm an, sich hier etwas auszuruhen, was er dankend annahm und sich bald schlafen legte...


      Jetzt sitze ich hier, alle Arbeit für heute ist erledigt und noch immer bin ich wohl die einzige, die wach ist. Vielleicht lege ich mich doch auch noch ein bisschen zu Mischa...
      "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein. " Nietzsche

      "In einen Abgrund zu blicken halte ich für kompletten Schwachsinn. Es gibt auf der Welt eine Menge Dinge, die es eher verdienen, dass man in sie blickt." Rittersporn